Bühne 66 Schwyz

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Der Vorname

Le Prénom von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière

Ein gemütlicher Abend soll es werden in der schlicht und stilvoll eingerichteten Wohnung des Literaturprofessors Pierre Garaud und seiner Frau Élisabeth. Nur Freunde und Familie sind zu Gast: Élisabeths Bruder Vincent mit seiner schwangeren Frau Anna, dazu Claude Gatignol, Posaunist im Rundfunkorchester und Freund seit Kindertagen.
Für Vincent, einen begnadeten Selbstdarsteller, ist die Runde zu friedlich. Um für «Stimmung» zu sorgen, enthüllt er den Freunden den geplanten Vornamen seines noch ungeborenen Sohnes...

Die Debatte über diesen Namen ist nur eine der hitzigen Diskussionen, die nun geführt werden und dazu führen, dass das bisher «so gemütliche» Familientreffen aus dem Ruder läuft. Denn die Jugendfreunde Pierre und Vincent sind nun in der Laune, sich endlich einmal ein paar Wahrheiten zu sagen, die man im Intersse eines gedeihlichen Zusammenlebens besser verschweigen würde. Beträchtliche Eitelkeiten treffen nun aufeinander, mit geschwollenen Kämmen hacken die Kampfhähne aufeiander ein. Mit Lust und Niveau werden Wortgefechte ausgetragen - doch die Contenance verlieren die Alphatiere erst, als Élisabeths und Vincents Mutter Françoise in einer Weise ins Spiel kommt, die sich niemand hat träumen lassen.

Wortwitz und Dialoge in der besten Tradition der französischen kritischen Gesellschaftskomödie treiben atemlos eine Handlung voran, die bei aller Komik auch manchen ahnungsvollen Blick in die Abgründe der Figuren erlaubt. Schliesslich gibt es immer etwas, woran man sich stören und worüber man streiten kann. Es gibt immer etwas, das die Beziehungen belastet – die Dinge sind nämlich nicht einfach das, was sie sind, alles hat noch eine weitere Bedeutung, alles ist Interpretationssache.

Ein Vorname ist nicht einfach ein Name, sondern ein politisches Statement; ein ertrunkener Hund ist kein saudummer Unfall, sondern eine Gelegenheit, um an der eigenen Legende zu stricken; und eine Ehe geht man schliesslich auch nicht nur aus Liebe ein, oder?
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